Mein Besuch im Fallturm der Universität Bremen

English version

Welcome

Willkommen hier beim Fallturm der Universität Bremen! 😉 Dies ist natürlich nur ein einfaches Modell des Fallturmes in Form eines Bleistiftes. Vielen Dank für das schöne Erinnerungsstück.

 

Ein weiteres Mal hatte ich die Ehre eine großartige Einrichtung des Wissenschafts- und Technikstandortes Deutschland besuchen zu dürfen und für Euch darüber zu berichten. Wie Ihr wisst begeistern mich diese Besuche immer sehr, und ich versuche diese Begeisterung so gut wie möglich mit Euch zu teilen.

Fallturmabend

Der Fallturm Bremen in der Dämmerung am Vorabend meines Besuches.

 

Diesmal habe ich mal wieder Bremen besucht. Das Objekt der Begierde (des Besichtigens) war diesmal der Fallturm in Bremen. Dieser Fallturm ist die Hauptforschungseinrichtung des ZARM (Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation). Neben dem Fallturm gibt es auch noch eine Zentrifuge für Hypergravitationsforschung. Das hört sich auch sehr spannend an. Vielleicht berichte ich darüber mal bei einem anderen Besuch.

TopTube

Am oberen Ende der Fallröhre in 119 Metern Höhe. Der rote Kegel schließt die Röhre ab. Die Turmstruktur selbst (in weiß) ist hier nicht mit der Röhre verbunden. Der Wind soll die Experimente nämlich nicht stören können.

 

Was wird denn so in einem Fallturm überhaupt gemacht? Wie der Name es schon sagt lässt man dort einfach Dinge fallen. Beim Fallturm in Bremen wird dies aus 110 Metern Höhe durchgeführt. Von dort fallen die Dinge dann in 4,7 Sekunden nach unten. Das hört sich recht unspektakulär an. Das ist es aber nicht wenn man weiß dass im freien Fall Schwerelosigkeit (oder auch Mikrogravitation genannt) herrscht. Bekanntlicherweise befinden sich auch die Internationale Raumstation ISS (und auch alle Satelliten im Erdorbit) im freien Fall und darum herrscht dort Schwerelosigkeit. Aufgrund der großen Geschwindigkeit verfehlt die ISS die Erde aber ständig und die Schwerelosigkeit hält daher an.

DropTowerTunnel

Am unteren Ende der rund 110 Meter langen Fallröhre. Man erkennt das Kransystem in der Röhre, welches die Experimente nach oben zieht.

 

Hier im Fallturm verfehlen die abgeworfenen Experimente natürlich nicht die Erde und müssen somit nach dem freien Fall abgebremst werden. Ansonsten würde die Experimente mit rund 50 m/s am Boden des Fallturmes einschlagen. Dies gilt es natürlich zu vermeiden. Darum befinden sich am Ende der Röhre ein 8 Meter hoher Zylinder gefüllt mit unzähligen kleinen Styroporkugeln.

Auffangbehälter

In diesem 8-Meter hohen Auffangbehälter gefüllt mit Styroporkugeln werden die Experimente nach dem freien Fall abgebremst.

 

Natürlich kann man die Experimente im Fallturm auch nicht einfach so abwerfen. Diese müssen in einer Art Kapsel untergebracht werden. Und die Kapsel muss so austariert werden, dass sie wirklich gerade herunterfällt und nicht taumelt. Dazu muss man natürlich oft Ausgleichsgewichte anbringen.

BehälterundDeckel

Eine der standardisierten Abwurfkapseln für die Experimente am ZARM (links). Im rechten Bild sieht man den Deckel für die Kapsel und oberhalb den dazugehörigen Ausklinkmechanismus.

 

So eine Kapsel mit den Experimenten im Inneren wird dann mit einem Deckel verschlossen und mit einer Seilwinde hochgezogen. Ein spezieller Ausklinkmechanismus sorgt dafür, dass die Kapsel mit den Experimenten ohne Störung der Mikrogravitation den freien Fall antreten kann.  So ist es möglich dass eine Mikrogravitation besser als ein Millionstel der Erdgravitation erreicht werden kann, was sogar besser ist als an Bord der ISS. Auf der ISS stören z.B. die Astronauten (und manchmal auch Mausoauten 😉 ) mit ihren Bewegungen und andere sich bewegende Teile die Mikrogravitation doch recht häufig.

Vacuumpumps

Diverse Pumpen ermöglichen die Evakuierung der gesamten Fallröhre und erzeugen so ein Vakuum in dieser. Jegliche Luft in der Röhre würde natürlich den freien Fall stören.

Eine weitere Störung der Mikrogravitation in der Fallröhre ist natürlich die sich darin befindliche Luft. Darum wird diese vor den Fallexperimenten abgepumpt. Dafür gibt es am Boden der Anlage ein beeindruckendes Pumpensystem.

 

Catapultsystem

Die Katapultanlage unterhalb des Fallturms. Ein Abschuss einer Experimentenkapsel mit dieser Anlage ermöglicht die Verdoppelung der Dauer der Schwerelosigkeit auf 9,3 Sekunden. Das ist Weltrekord für einen irdischen Fallturm!

 

Das ist alles so schon sehr beeindruckend. Aber es kommt noch besser! Man kann die Dauer der Freifallphase nahezu verdoppeln. Wie soll dies denn funktionieren? Gibt es unterirdisch eine Verlängerung der Fallröhre? Nein, aber es gibt dort ein einmaliges Katapultsystem. Damit kann man die Experimentkapsel nach fast ganz oben schießen bevor sie dann wieder herunter fällt. So kann man die Dauer der Mikrogravitation auf 9,3 Sekunden ausdehnen. Das ist clever und auch einmalig auf diesem Planeten!

Falls Ihr jetzt gut aufgepasst habt wisst Ihr dass es da jetzt ein mögliches Problem gibt: Wo bleibt denn beim Katapultstart der Auffangbehälter? Der ist doch eigentlich am unteren Ende der Röhre und müsste stören. Die Lösung ist dass man den Behälter zur Seite aus dem Kapselpfad herausfahren kann. Nach dem Passieren der nach oben katapultierten Kapsel wird der Auffangbehälter dann in 3 Sekunden wieder unterhalb der Fallröhre platziert und bremst die Kapsel am Ende des freien Falles ab. Cool!

REXUSPayloadUnit

Dies ist die Verkleidung der Nutzlastsektion einer REXUS-Rakete. Mit REXUS-Raketen werden unter anderem Studentenexperimente mit Unterstützung des DLR geflogen. Im Fallturm wird getestet, ob diese Experimente denn auch in der Schwerelosigkeit funktionieren.

 

Wissenschaftler aus der ganzen Welt und den verschiedensten Wissenschaftsfeldern können am Fallturm Mikrogravitationsexperimente durchführen. Oft testet man hier auch Experimente auf ihre Weltraumtauglichkeit.  So stellt man sicher dass diese dann auch an Bord von Höhenforschungsraketen, Satelliten oder auch der ISS bestens funktionieren.

Schüler und Studenten können am Bremer Fallturm natürlich auch Experimente durchführen. Dazu gibt es verschiedene Programme:

  • DroPS: Organisiert von DLR und ZARM können Schüler hier spannende Experimente durchführen.  Das DLR_School_Lab Bremen ist auch involviert.
  • Drop Your Thesis: ESA Education sucht hier nach Studentenexperimenten durchführbar am ZARM-Fallturm.
  • REXUS-Programm: Das DLR bietet Studenten die Möglichkeit Schwerelosigkeitsexperimente auf REXUS-Raketen zu fliegen. Diese Experimente werden oft vorher im Fallturm getestet.

Falls Ihr also eine coole Idee für Experimente am Fallturm habt schaut Euch mal die verlinkten Seiten der einzelnen Programme an.

 

TopView

Ausblick von den Räumlichkeiten an der Spitze des Bremer Fallturmes in rund 140 Metern Höhe. Hier finden Meetings statt. Und am Wochenende kann man hier sogar heiraten! Wuhuu!

 

Mein Besuch am ZARM endete dann mit einem Blick auf Bremen aus rund 140 Metern Höhe! Dort befindet sich ein Raum für Meetings der Wissenschaftler. Und am Wochenende kann man den Raum sogar für Hochzeiten nutzen. Das ist cool, oder? Jetzt muß ich nur noch eine Maus zum Heiraten finden.  😉

Vielen Dank an Herrn Dr. Könemann für die tolle Führung. Ich komme auch gerne auf das Angebot zurück mal selbst ein Experiment im Turm fallen zu lassen. Den Fall würde ich mir dann auch persönlich aus der Nähe anschauen, natürlich nur in meinem Raumanzug!

Kongresszentrum

Das Messe- und Kongresszentrum in Bremen. Hier findet vom 1. bis zum 5. Oktober 2018 der 69. IAC-Kongress statt. Ich darf mit dabei sein und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche organisieren.

 

Eine wichtige Sache gibt es noch zu ergänzen. Mein Missionsdirektor und ich haben sich auch noch mit der charmanten Frau Czurgel unterhalten. Thema: wie können wir ein interessantes Programm für Kinder und Jugendliche beim 69. IAC-Kongreß im Oktober 2018 organisieren. Das hört sich nach einer sehr spannenden Aufgabe an und wir sind natürlich dabei und freuen uns schon riesig darauf! Vielen Dank, Frau Czurgel!

Und damit ist mein Bericht jetzt wirklich zu Ende. 😉

Euer Mausonaut

 

 

 

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