Ein Blick hinter die Kulissen von MT Aerospace in Augsburg (Teil 3)

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MitAR6s

Stolz präsentiere ich unsere Mini-Ariane-6 (mit 2 Feststoffboostern) bei MT Aerospace neben dem großen Ariane-6-Modell (vier Booster). In der Vitrine sind Modelle von Ariane 1, 2, 3, 4, 5 und eine frühere Version der Ariane-6 ausgestellt.

 

Der Standort von MT Aerospace in Augsburg ist eng mit der europäischen Raumfahrtgeschichte verbunden. Nicht nur für die Ariane-5, auch für die ESA-Trägerraketen Ariane 1, 2, 3 und 4 wurden hier seit Ende der 70er Jahre Teile produziert. Diese Erfolgsgeschichte wird jetzt mit der umfassenden Beteiligung an der Herstellung der Ariane-6 fortgesetzt.

 

OHBAriane6_AllBert

Das große Ariane-6-Modell aus dem ersten Bild oberhalb habe ich schon einmal getroffen. Das war bei meinem Besuch auf der ILA 2016 am Stand von OHB/MT Aerospace.

 

Die Ariane-6 wird die neue große Trägerrakete der ESA sein und hoffentlich 2020 zum ersten Mal vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana aus starten.

 

Videoanimation der Europäischen Weltraumbehörde ESA vom Start einer Ariane-6.

Die Ariane-6 ist optimiert um bei günstigen Startkosten gleichzeitig auch vielseitig einsetzbar zu sein.  Dies erreicht man unter anderem damit, daß zum Start zwei oder vier Feststoffbooster verwendet werden können. So wird man die Ariane 6 mit 2 Feststoffboostern als Träger für mittlere Nutzlasten haben (AR62), und die Version AR64 mit 4 Feststoffboostern als Träger für schwerere Nutzlasten oder mehrerer Satelliten gleichzeitig wie jetzt auch bei der Ariane 5.

 

AR6Booster

Schnitt durch ein Modell eines Ariane-6-Feststoffboosters (im Odysseum in Köln stehend, Eigentümer DLR) . Das braune ist der Feststofftreibstoff. Der ist umschlossen von der Boosterhülle, welche auch gleichzeitig als Brennkammer dient. Diese Boosterhüllen bestehen aus Kohlefaserverbundwerkstoffen und werden auch bei MT-A in Augsburg produziert werden.

 

Der Hauptbestandteil eines Feststoffboosters ist die sogenannte Boosterhülle. Diese Boosterhülle ist weitaus mehr als der Behälter für die rund 137 Tonnen(!) festen Brennstoffes, sie ist gleichzeitig auch die Brennkammer für diesen Brennstoff. Und sie besteht nicht aus mehreren Stahlsegmenten wie bei der Ariane-5 (mehr dazu im Teil 1), sondern ist eine einzige Einheit hergestellt aus Kohlefaserverbundwerkstoff.

CIMG5710LR

Vor einem Bildschirm im Ariane-6-Projektbüro bei MT Aerospace: In einem interessanten Film wird die Beteiligung von MT-A an der Ariane-6 aufgezeigt. Hier ist eine Testboosterhülle zu sehen, welche MT-A zusammen mit dem DLR in einen neuen kostengünstigen Verfahren hergestellt hat. Sie wurde vor kurzem zum ersten getestet – und das mit mit Erfolg. Mehr dazu findet Ihr hier.

 

Da die Ariane-6 zwei oder gar vier dieser Booster benutzen wird ist es wichtig daß die dazugehörigen Boosterhüllen kostengünstig produziert werden können. Daher hat MT Aerospace in Zusammenarbeit mit dem DLR eine neue kostengünstige Herstellungsweise dafür entwickelt – die sogenannte Infusionsmethode. Die Produktion wird vereinfacht da die Kohlefasern für die gesamte Boosterhülle erst trocken in der entsprechenden Form gewickelt wird und dann in einem zweiten Schritt der Binder aus Epoxyharzen von außen eingetragen wird. Damit vermeidet man den bisher üblichen äußerst komplizierten Prozess der gleichzeitigen Wicklung und Einbringung des Bindemittels.

 

CIMG5722LR

Schnitt durch ein Stück Kohlefaserverbundwerkstoff von einer Testboosterhülle. Man erkennt die einzelnen Kohlefasern. Mit dieser Technologie kann eine Boosterhülle in einem Stück gebaut werden und ist auch noch deutlich leichter als eine Hülle aus Stahl.

 

Dank dieser großartigen technischen Entwicklung und des verstärkten finanziellen Engagements Deutschland beim Ariane-6-Programm wird MT-A so auch Boosterhüllen für die Ariane-6 in Augburg produzieren können. Ein weiterer Produktionsstandort für Boosterhüllen befindet sich bei Avio in Italien.

 

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Im Tank für den Flüssigsauerstoff der Hauptstufe des Ariane-6-Modelles im Odysseum in Köln. Ich stehe direkt auf dem unteren Tankdom, unter mir ist der obere Tankdom vom Flüssigwasserstofftank. Die vier Tankdome der Ariane-6 mit einem Durchmesser von 5.4 Metern werden aus einer Aluminium-Lithium-Legierung bestehen und natürlich in Augsburg produziert werden.

 

Neben den Boosterhüllen werden auch alle Tankdome für die Hauptstufe als auch für die Oberstufe der Ariane-6 bei MT Aerospace in Augsburg produziert werden. Die Herstellung dieser Tankdome wurde wiederum kostenoptimiert. Sowohl die vier Tankdome der Hauptstufe als auch die vier Tankdome der Oberstufe haben den selben Durchmesser von 5,4 Metern und können so mit den selben Maschinen hergestellt werden. Insgesamt sind bis zu 11 Ariane-6-Starts pro Jahr vorgesehen und somit auch ein gewaltiger Produktionsbedarf von bis zu 88 Tankdomen pro Jahr.

 

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Das Modell der Ariane-6-Oberstufe im Odysseum in Köln. Es gibt wiederum vier Tankdome mit einem Durchmessser von 5.4 Metern. Diese können mit den gleichen Maschinen wie die vier Tankdome für die Hauptstufe hergestellt werden – wiederum bei MT-A in Augsburg.

 

MT Aerospace wird aber nicht „nur“ Boosterhüllen und Tankdome für die Ariane-6 herstellen. Auch die zylindrischen Tanksektionen werden von MT Aerospace hergestellt werden. Diese werden dann im neuen Werk von MT Aerospace in Bremen zusammen mit den Tankdomen aus Augsburg zu vollständigen Treibstofftanks zusammengesetzt werden. Von dort können sie dann einfach ins benachbarte Werk von Airbus/Airbus Ariane Group zur weiteren Integration transportiert werden.

 

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Das neue Werk von MT Aerospace in Bremen. Hier werden die zylindrischen Tankstrukturen der Ariane-6-Oberstufe hergestellt und dann mit den Tankdomen aus Augsburg verbunden und dann zum Airbus/Ariane Group-Werk in der unmittelbaren Nachbarschaft geliefert.

 

Dies sind immer noch nicht alle Bauteile, welche MT Aerospace für die Ariane-6 produzieren wird. Weitere Bauteile sind die Struktur am unteren Ende der Hauptstufe unterhalb des großen Wasserstofftanks (Aft Bay Cylinder), in dem sich das Vulcain-Haupttriebwerk befindet. Dort wird auch die untere Halterung für die Feststoffbooster befestigt werden. Die Wasser- und Sauerstofftanks der Hauptstufe als auch der Oberstufe werden werden mit Bauteilen von MT Aerospace verbunden werden (Inter Tank Structure).

 

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Welche europäische Firma aus welchem Land produziert welches Bauteil für die Ariane-6 in einem Schema von der ESA. Die Grafik ist eventuell nicht mehr aktuell da aus dem vergangenen Jahr. Auch haben wir die Beteilungen von MT-A extra mit rotem Rand markiert.

 

Und dies ist immer noch nicht die gesamte Beteilung von MT-A an der Ariane-6! Auch die strukturellen Zylinder unterhalb und oberhalb der Feststoffboosterhüllen (ESR Rear Skirt und SRM Front Skirt Ring) werden in Augsburg produziert werden.

 

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Die junge Generation ist auf jeden Fall schon einmal von der Ariane-6 begeistert – wie hier zu sehen beim Modell im Odysseum in Köln. Möge Ariane-6 ein europäische Erfolgsgeschichte mit starker deutscher Beteiligung werden!

 

So wird MT Aerospace dann auch der größte Zulieferer von Bauteilen für die Ariane-6 sein. Die Ariane-6 wird so also mehr denn je auch eine Trägerrakete mit deutschem Ursprung sein.  Wir hoffen, daß wir ein wenig dazu beitragen können, die Ariane-6 ein wenig populärer in Deutschland machen zu können. Ich selbst bin ja ein großer Fan der Ariane-6: ich starte selbst mit einer Mini-Ariane-6 zu meinen #MoonDot-Weltraummissionen wie hier bei der letzten Mission zur MoonDotStation:

 

Wir haben auch noch weitere Ariane-6-Modelle in verschiedenen Größen und mit zwei oder vier Feststoffboostern.

 

AR6_launchcomplex

Ariane-6-Startkomplex in einer Animation der ESA. MT Aerospace ist auch beim Bau des realen Startkomplexes in Kourou involviert. Wir möchten eine funktionelle Miniversion des Startkomplexes bauen.

 

Dazu wollen wir dann noch einen gesamten Miniaturstartkomplex für die unsere Mini-Ariane-6-Raketen bauen. Dazu gehören dann ein Serviceturm, ein Starttisch inklusive Gasablenkschächte (a.k.a Flame Trench), Blitzableitertürme und eine mobile Montagehalle – ganz ähnlich der Startanlage in Kourou. Und auch bei der Startanlage in Kourou spielt MT-A eine wichtige Rolle. Dies jetzt hier genauer zu erläutern würde allerdings den Rahmen dieses Beitrages sprengen. 😉

 

MitMitarbeitern

Einige Mitarbeiter mit mir bei MT Aerospace vor Ariane-4- und Ariane-5-Modellen. Herzlichen Dank für den herzlichen Empfang und die Gastfreundschaft!

 

Wir (mein Missionsdirektor & meine Wenigkeit) möchten uns recht herzlich bei MT Aerospace für die Möglichkeit des Besuches dort in Augsburg bedanken. Das war ein fantastischer Besuch mit Unmengen an Informationen über ein sehr spannendes Thema. Wir würden sehr gerne wieder zu Besuch kommen wollen – jederzeit! 😉

Ein besonderer Dank geht an Frau Holsworth für das Ermöglichen und die Organisation des Besuches inklusive der Rundgänge. Recht herzlichen Dank und allerbeste Grüsse nach Augsburg!

Euer Mausonaut

Teil 1: Herstellung der Boostersegmente für die Ariane 5

Teil 2: Tankdome für die Ariane-5 und mehr

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7 Gedanken zu “Ein Blick hinter die Kulissen von MT Aerospace in Augsburg (Teil 3)

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