SPACEPORT DARMSTADT: FLAMMEN, VIEL RAUCH UND EINE MENGE FASZINATION

Eine Flotte von kleinen ESA-Raketen bringt Rauch, Flammen und Faszination nach Darmstadt – um die Lange Nacht der Sterne am ESOC ein wenig zu unterstützen

English version

Es war eine große Ehre von der ESA zur Langen Nacht der Sterne anläßlich der Feier zum 50-jährigen Bestehens des ESOC in Darmstadt eingeladen worden zu sein, um dort meine Miniaturmodelle von ESA-Raketen ausstellen zu dürfen.

CurrentESALaunchers.jpg

Die gegenwärtige Flotte der ESA-Raketen als Modelle während der ILA-Ausstellung 2016 in Berlin (links) und künstlerische Darstellungen beider Ariane-6-Versionen (rechts). Bilder: ESA/Arianespace/Holger Voss

Im ESOC beginnt die Kontrolle der Satelliten gewöhnlicherweise genau dann wenn die Raketen ihre Arbeit getan haben und die Satelliten von der Rakete abgretennt wurden. Aber ohne so einen Raketenstarts würde es keine einzige Satellitenmission geben. Der Start mit der Rakete ist die kritischste Phase jeder Mission: Flammen, Rauch und viel Lärm beim Start einer Rakete rufen eine sehr spezielle Faszination bei Menschen aus allen Altergruppen hervor.

Die Starts von ESA-Missionen finden aus diversen Gründen – u.a. den geografischen Gegebenheiten – nicht in Europa, sondern vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guiana, von Baikonur in Kasachstan, von Plesetsk in Russland oder anderen Weltraumbahnhöfen, z.B. in den USA oder auch in Indien, statt.

AllESALaunchers

Die Sammlung von skalierten  flugfähigen ESA-Raketen. Der Autor baut diese selbst. Fünf Modelle wurden für die Ausstellung im ESOC ausgewählt.

 

In der Vergangenheit hatte ich das Glück Raketenstarts in Florida live miterleben zu dürfen. Aufgrund dieser super beeindruckenden Erlebnisse der Raketenstarts habe ich eine Strategie entwickelt, Starts von Weltraumraketen ein wenig mehr nach Europa zu bringen – zumindest für Kinder und Jugendliche, und natürlich auch für Junggebliebene. Wie möchte ich dieses Ziel erreichen? Die Idee ist realistisch aussehende Modelle von ESA-Raketen zu bauen, welche bei öffentlichen Veranstaltungen gestartet werden können. Dies wird natürlich durch eine Kampagne in sozialen und traditionellen Medien unterstützt um eine weite Öffentlichkeit zu erreichen. Letztendlich hoffe ich, daß dies in einem Miniatur-Kourou-Weltraumbahnhof gipfelt, welcher z.B. in Darmstadt die Hauptbasis haben könnte.

Einige Hintergrundinformationen zu den realen ESA-Raketen

Die ESA hat zusammen mit der europäischen Industrie und nationalen Raumfahrtagenturen mit der Ariane 5 und der Vega äußerst zuverlässige Raketen für die Raumfahrt entwickelt. Die russische Soyuz-2-Rakete ist eine großartige Ergänzung zur Arianespace-Raketenflotte, welche die Lücke für mittelgroße Nutzlasten ausfüllt. Mit der Vega-C-Rakete und der Ariane 6, welche gerade entwickelt werden, wird man die Erfolgsgeschichte beim Starten von kommerziellen und institutionalen Nutzlasten in der nahen Zukunft, beim Beginn der neuen Ära der Raumfahrt, fortsetzen können.

Die Ariane 6 wird die Ariane 5 ersetzen. Es wird zwei Varianten geben: eine mittelgroße Version (A62) mit zwei Feststoffboostern, und eine große Version mit vier Boostern (A64). Die Ariane 6 (und natürlcih auch Vega-C) werden den zuverlässigen und unabhängigen Zugang der ESA, der EU und anderer europäischer Organisationen zum Weltraum sichern, und dies zu deutlich geringeren Kosten im Vergleich zum Nutzung der gegenwärtigen Raketenflotte.

Für die Lange Nacht der Sterne am 8. September im ESOC wurde darum die Ariane 6 als Hauptattraktion der kleinen Ausstellung ausgewählt.

Theexhibition

Die Modelle der  ESA-Raketen von links nach rechts: Ariane 64 (1:144), Ariane 62 (1:72) mit einem Kamerasystem an Bord, Soyuz 2 (1:72), Ariane 5 ECA (1:100) und Vega (1:50) mit Flammenablenkschacht und Serviceturm. Bild: Alessandro Ercolani

Die Raketenmodelle im ESOC

Insgesamt haben wir fünf Modelle von ESA-Raketen bei der Langen Nacht der Sterne im ESOC ausgestellt: 2 Modelle der Ariane 6, eines der Ariane 5, eines der Vega und eines der Soyuz-2.

Außerdem konnten wir einige Testzündungen eines Modells des Ariane-6-Feststoffboosters vorführen. Mit Hilfe von Wasserraketnstarts wurden die Grundprinzipien des Wasserraketenstarts erklärt. Leider konnten aufgrund der Witterung eigentlich von uns geplante Starts der kleineren ESA-Raketenmodelle bei der Langen Nacht der Sterne nicht ausgeführt werden.

An dieser Stelle möchte ich das kleine Team vorstellen, welches bei unseren kleinen Ausstellung der Modelle von ESA-Raketen im ESOC half.

DasTeam.jpg

Das Team “ESA-Modellraketen” von links nach rechts: Alessandro Ercolani, Shari Van Treeck, Constanze Kramer und meine Wenigkeit mit meinem kleinen Freund und Raumfahrtmaskottchen Mausonaut in der Hand.

Dabei waren Alessandro Ercolani, der ESA-Manager für die “Science Mission Data Systems”, Modellraketenflieger und einer der Organisatoren des jährlich stattfindendens ESA Space Camps; Shari van Treeck, Doktorandin an der Universität Bonn und ehemalige Kandidatin der “Astronautin”-Kampagne; und Constanze Kramer, eine lokale Raumfahrtenthusiastin und gute Freundin.

Mit dem Öffnen der Tore des ESOC für die Besucher am 8. September begann Alessandro mit diversen Kindern einfache Raketenmodelle zu basteln. Diese Kids sind nun stolze Besitzer ihrer ersten Rakete. Shari und Constanze hatten sich freiwillig gemeldet um bei Kommunikation mit den Hunderten von interessierten Besuchern zu helfen.

AlessandroRocketGirls

ESA’s Alessandro Ercolani hat mit den Kids tolle Modellraketen gebaut. Und da sagt noch einer Mädchen interessieren sich nicht für Raketen!

 

Uns zur Seite stand auch mein persönlicher kleiner Freund, das bekannte europäische Raumfahrtmaskottchen  Mausonaut, ein bekenndender Fan der neuen ESA-Rakete Ariane 6.

Mausonaut benutzt eine Miniatur-Ariane 6 für die Starts (hier gibt es einen dieser Start auf YouTube) zu (simulierten) Missionen ins Weltall, wie zu den spannenden, fiktiven und doch realistischen Reisen zur MoonDotStation.

Mausonaut hatte viel Freude dabei all die Kids kennenzulernen, und hat auch viele Mausonaut-Aufkleber verteilt. Mausonaut liebt die Kids, und die Kids lieben natürlich auch Mausonaut. 😉 Weitere Informationen über Mausonaut findet Ihr übrigens hier.

Mausonaut

Raumfahrt-Maskottchen Mausonaut – ein wissbegieriger Erforscher des mondnahen Raumes und der größte kleine Fan der neuen ESA-Rakete Ariane 6. Bild: Alessandro Ercolani

 

Wie funktioniert eine Rakete?

Während der Langen Nacht der Sterne haben wir einen großen Teil der Zeit damit verbracht dies dem Publikum genauestens zu erklären. Dazu haben wir natürlich die Raketenmodelle benutzt. Außerdem zeigten wir auch Videos von Starts der ESA-Raketen und dazu passende Starts der Raketenmodelle.

Wir benutzen die ESOC50-Feierlichkeiten auch zur Premiere eines Videos über einen sehr speziellen Start. Nur wenige Tage zuvor wurde das 1:72 Modell der Ariane 62 zum ersten Mal mit einem speziellen Kamerasystem an Bord gestartet. Natürlich wollen wir Euch das Video an dieser Stelle nicht vorenthalten. Hier findet Ihr das Video mit einigen erstaunlichen Aufnahmen auch von dem Startplatz in der Nähe von Barcelona:

 

Auch wenn wir aufgrund der Wetterlage leider keine ESA-Raketenmodelle starten konnten gab es Modellraketen-Action bei der Langen Nacht der Sterne. Wir starteten einige Wasserraketen und waren auch in der Lage einige recht ungewöhnliche Testzündung von einem 1:50-Modell eines Ariane-6-Feststoffboosters vorführen zu können.

Die Testzündungen wurden mit zunehmender Dunkelheit immer eindrucksvoller und brachten dann doch Flammen, Rauch und kurzen, aber doch recht beachtlichen Lärm auf die ESOC50-Feierlichkeiten.

TestfiringAR6BoosterComposite.jpg

Testzündung des Ariane-6-Boostermodells am Nachmittag (Bild: Shari van Treeck) und in der Dunkelheit (Bild: Holger Voss).

Das gesamte Team hatte eine Menge Spaß umfangreiche Informationen über Modellraketen in Kombination mit Informationen über die großartigen ESA-Raketen an das wissbegierige Publikum weitergeben zu können.

Es wurde (mal wieder) ganz deutlich wie wichtig es ist Enthusiasmus für Raumfahrtraketen zu entfachen (entflammen?), gerade für die junge Generation – die zukünftigen Ingenieure und Wissenschaftler. Dies sollte wieder verstärkt ein Teilbereich der MINT-Ausbildung werden und auch bei PR-Aktionen der Raumfahrtagenturen und deren Partnern aus der Industrie benutzt werden.

Mein recht herzlicher Dank geht zuerst an das Team aus Freunden und Kollegen, welche mich bei der Langen Nacht der Sterne am ESOC unterstützt haben, und dann natürlich auch an die ESA, welche uns die fantastische Gelegenheit gab die ESA-Modellraketen (a.k.a. #MiniESALaunchers) auszustellen. Und natürlich danke ich Mausonaut dafür daß ich meinen Beitrag hier veröffentlichen durfte. Dankeschön.

 

Holger Voss (a.k.a. @SpaceHolgar)

 

Einige Infos über den Autor:

Dr. Holger Voss ist ein europäischer Astrophysiker mit deutschem Akzent. Er hat für die ESA-Satellitenmission Gaia und für das DLR zur Unterstützung der CNES-geführten CoRoT-Mission gearbeitet. Gegenwärtig ist er im MINT-Bereich tätig um die junge Generation auf das gerade beginnende neue Raumfahrtzeitalter vorzubereiten zu helfen.

 

P.S.: Die für die ESOC50-Feierlichkeiten vorgesehenen Starts wurde einige Tage später auf den historischen Lichtwiesen bei Darmstadt durchgeführt. Viel Spaß beim Anschauen des Videos welches einige Höhepunkte der Aktion und auch einige Freunde und Mitarbeiter der ESA inklusive Familien zeigt. War das der Anfang vom Spaceport Darmstadt?

Advertisements

Ein Gedanke zu “SPACEPORT DARMSTADT: FLAMMEN, VIEL RAUCH UND EINE MENGE FASZINATION

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s